Die Story vom Weihnachtsmann

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Die Story vom Weihnachtsmann

Сообщение helga » 24 дек 2011, 18:06

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Es waren einmal zwei engagierte Bischöfe in Kleinasien. Beide hießen Nikolaus. Ihre Lebensgeschichten verschmolzen zur Legende um einen der populärsten Heiligen der Kirche, der besonders zur Weihnachtszeit viel zu tun hat.

Es klingt schon fast wie Ironie: Eigentlich soll der heilige Nikolaus – unter anderem – vor Diebstahl schützen, doch seinen eigenen Raub konnte er nicht verhindern. In einer Blitzaktion entwendeten 62 Seeleute aus Bari im April 1087 die Gebeine des Heiligen aus der ihm geweihten Grabeskirche in Myra. Der Zeitpunkt für ein solches Sakrileg war günstig: Die Bewohner dieser Hafenstadt in Lykien (heute: Südtürkei) waren vor den mordenden Seldschuken in die Berge geflüchtet – so hatten die Räuber leichtes Spiel. Sie brachen den Sarkophag auf, entnahmen die Gebeine und segelten mit der Beute zurück in ihre Heimat. Mit der Ankunft der Reliquien am 9. Mai in Bari war der Coup abgeschlossen. Wie bereits Venedig, das im Jahre 828 die Überreste des Evangelisten Markus aus Alexandria in die Lagunenstadt überführen ließ, hatte nun auch Bari seinen Heiligen, dessen Prominenz jener von Markus in nichts nachstand.

Nikolaus war bereits zum Zeitpunkt des Diebstahls eine überragende Heiligengestalt, vergleichbar mit dem Drachentöter Georg oder dem Schutzpatron der Reisenden, Christophorus, und ist heute einer der 14 Nothelfer. Und genau darauf spekulierten die Seeleute aus Bari. Obwohl er an einem 6. Dezember um das Jahr 345 nicht als Märtyrer starb, verehrte man den Bischof von Myra bereits 50 Jahre später, besonders in der Ostkirche. Vor allem die über ihn erzählten Wundertaten – über sein alltägliches Leben ist nichts überliefert – förderten seine Popularität. Im Zuge seiner Verehrung schmückten zahlreiche Legenden Nikolaus’ Leben aus; als halbwegs gesichert gelten nur sein Geburtsjahr um 270 sowie sein Sterbedatum. Und: Nach dem frühen Tod seiner Eltern erbte er ein beträchtliches Vermögen.

Es ist zwar schwer, die historische Figur greifbar zu machen, aber es sei »ein methodischer Fehler, die Geschichtlichkeit eines Myrenischen Bischofs Nikolaus (...) in Abrede stellen zu wollen«, schreibt Gustav Anrich in seinem Standardwerk »Hagios Nikolaos« und fährt fort: »Es kann einen Bischof diesen Namens gegeben, es kann derselbe sogar große Bedeutung für seine Heimat gehabt haben. Es kann auch der 6. Dezember der Tag seines Todes oder seiner Beisetzung gewesen sein. Das alles sind Möglichkeiten, denen man sogar eine gewisse Wahrscheinlichkeit wird zugestehen können. Weiter ist nicht zu kommen.«

Ein antikes Städtchen ist die Heimat des Nikolaus

Vielleicht trug gerade dieses Unklare und Schemenhafte zur Popularität des Wundertäters von Myra bei. Einig sind sich die Forscher in dem Punkt, dass die Figur des Heiligen, wie wir sie kennen, nie existiert hat. Vielmehr handelt es sich um eine Verschmelzung aus zwei historischen Personen. Dabei vermischten die Gläubigen Leben und Taten des Bischofs Nikolaus von Myra und des Nikolaus von Sion, Bischof von Pinara in Lykien, der am 10. Dezember 564 starb. Relativ einfach lässt sich dagegen die früheste Nikolauslegende, das aus dem 6. Jahrhundert stammende »Stratelatenwunder« (griechisch »stratelatos« bedeutet Feldherr) dem Bischof von Pinara zurechnen. In dieser Erzählung rettet er das Leben von drei zu Unrecht zum Tode verurteilten Feldherrn. Hierbei könnte es sich um ein Ereignis aus der Zeit von Kaiser Justinian (527–565) handeln.

Derartige Geschichten förderten die Nikolausverehrung bereits im 6. Jahr-hundert in der griechischen Kirche. Diese widmet die Wochentage dem Andenken bestimmter Personen wie Johannes dem Täufer oder der Muttergottes und ehrt den heiligen Nikolaus am Donnerstag. In der Folge entwickelte sich auch die Grabeskirche in Myra zu einem wichtigen Anlaufpunkt für Pilger.

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Re: Die Story vom Weihnachtsmann

Сообщение helga » 29 дек 2011, 20:36

Nikolausreliquien: für die Benediktiner von Bari eine schöne Bescherung

Seit Mitte des 8. Jahrhunderts ist die Heiligengestalt auch in Rom bekannt. Zu den ältesten Nikolausdarstellungen zählen dort die Fresken in der Kirche Santa Maria Antiqua auf dem Forum Romanum (8. oder 9. Jahrhundert). Ende des 9. Jahrhunderts erscheint das in Lateinisch abgefasste Werk »Vita S. Nicolai episcopi« des Johannes Diaconus von Neapel, die erste Biografie über den Bischof von Myra. Kurz vor der Jahrtausendwende breitete sich der Nikolauskult in ganz Süditalien aus und wurde von der dort lebenden griechischstämmigen Bevölkerung zusätzlich gefördert. Bei ihr galt Nikolaus als Schutzheiliger. Äußerst beliebt war der Bischof auch bei den Fischern und Kaufleuten Apuliens. Ihrem Schutzpatron zu Ehren errichteten sie zahlreiche Kirchen.

Zum Mekka der Anbetung entwickelte sich Bari und erreichte mit der Überführung der Gebeine im Mai 1087 einen Höhepunkt. Papst Urban II. (1088–1099) bestattete die Reliquien im Oktober 1089 in der Krypta der Basilika San Nicola, an der noch gebaut wurde. Nun feierte die katholische Kirche den 9. Mai als Tag der Ankunft (die weltweite Verpflichtung zur Feier des Gedächtnistages entfiel erst mit der Reform des kirchlichen Festkalenders im Jahre 1969). Die Beisetzung löste regelrechte Pilgerströme in die Stadt Bari aus, in der Slawen, Sarazenen, Juden und Griechen ohnehin schon auf engstem Raum zusammenlebten.

Die Bevölkerung Baris erkannte schnell den Wert ihres Publikumsmagneten. So erhoben die Benediktinermönche, denen die sterblichen Überreste anvertraut worden waren, für den Besuch des heiligen Ortes einen Obolus, um damit die Baukosten für die Kirche San Nicola zu begleichen. In der näheren Umgebung des Nikolausgrabes stieg die Zahl der Gaststätten und Pilgerherbergen. Bei den Souvenirhändlern entwickelte sich das »Oleum Sancti Nicolai«, eine aus dem Sarkophag entnommene und angeblich wundertätige Flüssigkeit, zum Verkaufsschlager.

Mit dem so verdienten Reichtum konnte die Hafenstadt Bari, die zur Jahr-tausendwende durch Kaufleute und See-fahrer eine erste große Blütezeit erlebt hatte, wieder an die glanzvollen Jahrzehnte vor der Ankunft der Normannen im Jahre 1071 anknüpfen. Als Apulien unter der Herrschaft normannischer Könige stand, war der Alltag der Einheimischen von Fehden und Volksaufständen geprägt. Doch mit den Reliquien und dem Aufstieg des Hafens zur Kreuzritterzeit war das vorbei.
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Re: Die Story vom Weihnachtsmann

Сообщение helga » 29 дек 2011, 20:37

Handelsmetropolen förderten den Kult um den Heiligen

Nördlich der Alpen dehnte sich der Nikolauskult vornehmlich durch die Kaiserin Theophanu (um 955–991) aus, die griechische Ehefrau Kaiser Ottos II. Nachdem Nikolaus sogar zu einem Hausheiligen der Ottonen erhoben worden war, folgte der Bau vieler Nikolaikirchen vorrangig in Handelsstädten. Bis heute stehen in Deutschland noch knapp 400 der 12000 katholischen Pfarrkirchen oder Seelsorgestellen unter dem Patronat des Nikolaus. Nach dem Schutzpatron der Seefahrer und Händler wurde aber auch ein Viertel in der heutigen deutschen Bundeshauptstadt benannt. Das Nikolaiviertel, das älteste Berliner Wohngebiet, liegt im Zentrum am Ostufer der Spree. Vor allem Handwerker und Kaufleute ließen sich hier zuerst nieder.

Im Mittelalter setzte in der gesamten christlichen Welt ein Geschäft mit Reliquien ein, und viele Geistliche kauften sie für ihre Gemeinden, weil sie auf Pilgereinnahmen hofften. Glücklich konnten sich die Kirchen schätzen, die über Reliquien des heiligen Nikolaus verfügten. Neben Bari entwickelte sich vor allem das lothringische Dorf Port zu einem Kultzentrum. Dort verwahrte man ein Fingerglied des Heiligen, das ein Kreuzfahrer im 11. Jahrhundert aus Bari gestohlen hatte. Der kleine Ort, wenige Kilometer südwestlich von Nancy, entwickelte sich dank dieser Reliquie zu dem bedeutenden Wallfahrtsort Saint-Nicolas-de-Port.

Welchen Stellenwert eine solche Reliquie bis zum heutigen Tag besitzt, zeigt das Beispiel des schweizerischen Fribourg (Freiburg im Üechtland), wo man bis heute am ersten Samstag im Dezember das St.-Nikolaus-Fest feiert. Wegen der besonderen Verehrung des »bewundernswerten Wundertäters voller Barmherzigkeit«, wie Nikolaus in der Ostkirche umschrieben wird, richtete die Bischofsstadt Minsk eine ungewöhnliche Bitte an die Fribourger Nikolauskathedrale: Als Zeichen der Verbindung zwischen Ost und West möge Fribourg der Stadt Minsk einen Partikel der Reliquie überlassen. Bei dieser handelt es sich um einen Oberschenkelknochen, der über einige Umwege im Mai 1506 in die Schweiz kam. Im Februar 2006 war es dann so weit: Aus dem Knochen wurde ein fünf Zentimeter langes Stück herausgesägt und der Kathedrale von Minsk übergeben.

Die Wurzeln der heutigen Weihnachtsbescherung liegen im Nikolausbrauchtum begründet: »Obschon es keinen bekannten Termin einer ersten Nikolausfeier gibt«, wie Manfred Becker-Huberti von der Pressestelle des Erzbistums Köln sagt, »kann die Tradition der Bescherung am 5. beziehungsweise 6. Dezember auf das 12. Jahrhundert zurückverfolgt werden.« Für diesen Brauch können die seit Beginn des 9. Jahrhunderts bekannten Knabenabts- oder Knabenbischofsspiele der Ausgangspunkt gewesen sein. Bei dem »ludus episcopi puerorum« verkleidete sich ein Schüler von einer Kloster- und Bischofsschule als Abt oder Bischof, dem die übrigen Mitschüler an einem Tag gehorchen mussten. Dies vermischte sich später mit dem so genannten Wurf- oder Streuabend. Am Nikolausabend werden in den Raum, in dem sich die Kinder der Familie aufhielten, Säckchen mit Äpfeln, Nüssen, Gebäck und Süßigkeiten geworfen. Dem Brauch liegt die Legende von den drei Jungfrauen zugrunde: Sie berichtet, dass Nikolaus von Myra drei Töchter eines verarmten Kaufmanns vor der Prostitution bewahrte, indem er ihnen nächtens drei Goldkugeln für ihre Heiratsausstattung ins Zimmer warf.

Die Praxis des Gabenbringens änderte sich mit der Reformation. Martin Luther lehnte das Überreichen von Geschenken ab, obwohl er selbst bis 1535 vor seinen Kindern in der Nacht vom 5. auf den 6. Dezember einen Nikolaus auftreten ließ. Dann ersetzte Luther den Heiligen durch das Christkind, das bereits vor Luther als Gabenbringer der Weihnachtszeit bekannt war. Es sollte nicht mehr in Konkurrenz zum Nikolaus treten, sondern alleine die Kinder beschenken – und zwar an Weihnachten und nicht am 6. Dezember. Allerdings bescherte in katholischen Regionen weiterhin der Nikolaus die Kinder, während in protestantischen Gebieten das Christkind die Geschenke brachte.
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Re: Die Story vom Weihnachtsmann

Сообщение helga » 29 дек 2011, 20:39

In Deutschland schenkt er Äpfel, in den USA schützt er den »Big Apple«

Konkurrenz bekamen der Heilige und das Christkind mit der Wandlung des Nikolausbildes, das sich mit der Kolonisierung Amerikas durch die Niederländer zu Beginn des 17. Jahrhunderts vollzog. Sie gründeten in ihrer amerikanischen Kolonie die Stadt Neu-Amsterdam, zu deren Schutzpatron sie Nikolaus wählten, in den Niederlanden einer der Hauptheiligen. 1664 nahmen die Engländer die Stadt in Besitz, tauften sie in New York (moderner Spitzname: Big Apple) um – und behielten den Schutzpatron bei.

In Deutschland war in der Mitte des 19. Jahrhunderts aus dem Bischof mit Mitra und Stab eine Person mit langem Mantel und Zipfelmütze geworden. Im Buch »Struwwelpeter« des Frankfurter Arztes Heinrich Hoffmann (1809–1894) tunkt der »böse Niklas« die ungehorsamen Kinder in ein Tintenfass. Der Maler Moritz von Schwind stellt den gabenbringenden Nikolaus in seinem Holzschnitt »Herr Winter« (1847) mit weißem Bart und einem Kapuzenmantel dar.

Auch für den Weihnachtsmann, der heute dem Konsumenten in der Vorweihnachtszeit lächelnd und mit einem weißen Rauschebart und rotem Mantel ausgestattet entgegentritt und seine Schau mit einem »Ho-Ho-Ho!« akustisch untermalt, zeichnet ein Deutscher verantwortlich. Der in die USA ausgewanderte, aus der Pfalz stammende Künstler Thomas Nast zeichnete den Nikolaus in seinem Bild »Merry Old Santa Claus« (1881) als gütigen, weise lächelnden Gabenbringer. Davon angeregt, schuf der Grafiker Haddon Sundblom den »Weihnachtsmann«, den der Coca-Cola-Konzern ab 1931 für Werbekampagnen benutzte. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs setzte sich diese Figur in jenen Ländern durch, in denen US-Truppen stationiert waren.

Kapitalistischer Santa Claus gegen sozialistisches Väterchen Frost

Der amerikanisierte Weihnachtsmann wurde aber auch in Frankreich (Père Noël), in Italien (Papa Natale) oder in der Türkei (Aba Noel) als Überbringer von Geschenken populär, wobei in einigen Re-gionen Frankreichs oder Italiens immer noch das Christkind die Gaben bringt. In den Niederlanden hingegen konnten weder das Christkind noch der Weihnachtsmann dem Nikolaus (Sinte Klaas) den ersten Rang als Kinderfreund streitig machen. Der mittelalterlichen Tradition verpflichtet, wird dort die Bescherung der Kinder am 6. Dezember gefeiert.

»Heutzutage hat sich die Stellung des Nikolaus vor allem im Westen relativiert. Hierfür gibt es gleich mehrere Gründe: Es existieren viele weitere populäre Heilige, die Reformation schwächte seine Stellung genauso wie die Schaffung einer säkularisierten Abart des Nikolaus mit Namen Weihnachtsmann«, erläutert Becker-Huberti, der mehrere Bücher zum Thema Nikolaus verfasst hat.

Einen ganz anderen Rang nimmt Nikolaus hingegen in der russisch-orthodoxen Kirche ein. Hier gilt er nach wie vor als eine Art »Überheiliger« und ist der Schutzpatron des russischen Volkes. Doch für die Bescherung ist heutzutage jemand anderes verantwortlich. Die aufklärerische Nikolausmutation »Herr Winter« wurde im marxistischen Russland durch »Väterchen Frost« (Ded Moroz) ersetzt, der in der Silvesternacht den Kindern Geschenke unter den Christbaum legt.
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